
Anna Carina Roth & Anna Mutschlechner-Dean
Artists-in-Residence-Aufenthalt 2025
Philip Paulus
SHAPESHIFTER
Meet the Artists & Ausstellungseröffnung:
Dienstag, 22. September 2026, 19.00 Uhr
Anna Carina Roth, Anna Mutschlechner-Dean, Wien & Philip Paulus, Salzburg im Gespräch mit Andrea Lehner-Hagwood, Kunsthistorikerin, Leiterin Kunstraum St. Virgil Salzburg
Im Anschluss um 20.00 Uhr Auftritt der Band „The Velvet Swing“
Ein Abend – zwei Ausstellungen – vielfältige Perspektiven
Unter dem Titel „Meet the Artists“ lädt St. Virgil zur Eröffnung zweier Ausstellungen ein, die in einem gemeinsamen Rahmen präsentiert werden.
Anna Carina Roth & Anna Mutschlechner-Dean Artists-in-Residence-Aufenthalt 2025
Bereits zum 20. Mal konnten zwei von einer Fachjury ausgewählte Künstler*innen zu diesem Aufenthalt eingeladen werden. Die Künstlerinnen Anna Carina Roth (* 1999, Steyr) und Anna Mutschlechner-Dean (* 1993, Burgenland) arbeiteten im Sommer 2025 im Zuge des Artists-in-Residence-Aufenthaltes für fünf Wochen im Kunstatelier von St. Virgil.
Anna Carina Roth arbeitet mit Skulptur, Installation, Text und erweiterten fotografischen Prozessen. Ihre Praxis untersucht die Schnittstellen von materieller Handlungsfähigkeit, post-digitalen Infrastrukturen und verkörperter Kommunikation.
In der Ausstellung präsentiert Anna Carina Roth die Arbeit „Randbemerkung“, eine seit 2022 fortlaufende Serie von Fotogrammen. Dafür spannt sie lichtempfindliches Papier auf Tische im öffentlichen wie auch im privaten Raum. Über den Zeitraum eines gemeinsam verbrachten Abends schreiben sich platzierte Gläser, Teller, Flüssigkeiten und Fingerabdrücke in das Material ein. Als fixiertes Fotogramm wird das Papier zum Dokument eines Treffens, einer Begegnung, einer zwischenmenschlichen Beziehung.
Während ihres Aufenthalts in Salzburg führte Roth die Werkserie fort – unter anderem auf den Tischen von Wilhelm Holzbauer im Foyer von St. Virgil sowie im Café Bazar in der Innenstadt und im Atelier des Künstlers Philip Paulus.
Anna Mutschlechner-Dean arbeitet mit einem interdisziplinären Ansatz, der Film, Skulptur und Sound einbezieht und sich auf performative und digitale Methoden konzentriert. Ihre Praxis befasst sich mit kognitiven Phänomenen, Fragen der menschlichen Identität und der individuellen Wahrnehmung der Realität.
Die Werkserie „Tentakulär | Tentacular“ setzt sich mit familiären Dynamiken, Geburt und den sozio-politischen Rahmenbedingungen auseinander, die unserem Leben vorausgehen – etwa geopolitische Herkunft oder gesellschaftliche Zugehörigkeiten.
Die Serie verbindet digitale Fotografie, Skulptur und performative Ansätze zu intimen Bildräumen. Der Körper wird darin als formbares, situatives Gefüge sichtbar – überfordert von den gesellschaftlichen Ansprüchen an Fürsorge und Verantwortung. Wie viel kann ein Körper tragen?
Im Zentrum steht der weibliche Körper, vollständig umhüllt von transparentem Latex. Die Hülle die den Körper umhüllt, versetzt ihn in einen Zustand zwischen Fragilität und Geborgenheit, erinnert an Geburt, Schutz und Verwundbarkeit. Das Motiv des Embryos in der Fruchtblase wird umgekehrt: Statt eines schützbedürftigen Embryos trägt ein fragmentierter, erwachsener Körper diese Umhüllung ans Äußere.
Inspiriert vom Oktopus, dessen Tentakel vielfältige Handlungen gleichzeitig ermöglichen und dessen Weibchen ihre Eier über lange Zeit bewachen, verweisen amorphe Körperextensionen auf die Überforderung durch Care-Arbeit. Die Gestalt bewegt sich zwischen menschlicher Figur, skulpturalem Subjekt und nicht-menschlichem Organismus.
Das Artists-in-Residence-Programm wird von Würth Österreich unterstützt. Die Künstlerinnen wurden unterstütz von: Bildrecht Wien, Bundesministerium Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport und Kulturland Burgenland
Philip Paulus
SHAPESHIFTER
Die Ausstellung von Philip Paulus (*1992, Salzburg) ist Teil der Reihe „Dialoge“, die gezielt den Austausch zwischen lokalen Künstler*innen und den Artists in Residence in St. Virgil fördert.
In seinen Zeichnungen und Gemälden, die häufig in Serien angelegt sind, beschäftigt sich Philip Paulus mit geometrischen Formen und leuchtenden Farben. Er zergliedert die Bildfläche in einzelne Elemente und setzt sie neu zusammen. Dadurch entstehen spannungsreiche, oft illusionistische Bildräume, die unsere Wahrnehmung herausfordern und dazu einladen, die Bedeutung von Bildern neu zu hinterfragen und zu entdecken.
Paulus’ Arbeiten bewegen sich zwischen analytischer Strenge und spielerischer Offenheit: Die klaren Formen und kräftigen Farbakzente erzeugen ein visuelles Gefüge, das sich je nach Blickwinkel verschiebt und neu ordnet. Seine Bildräume wirken zugleich konstruiert und instabil, präzise und doch offen für Interpretation. In dieser Spannung entfaltet sich ein Nachdenken über das Sehen selbst – darüber, wie Bilder aufgebaut sind, wie sie wirken und wie sie unsere Wahrnehmung lenken.
Philip Paulus absolvierte sein Studium von Grafik-Design und Fotografie an der Kunstuniversität Linz und arbeitet in den Bereichen Grafik, Malerei und Musik. Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen nahm Paulus 2024 am Artist-in-Residence-Programm des Anderson Center in Red Wing, Minnesota (USA), teil. Bereits 2023 erhielt er ein Stipendium für die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg in der Klasse von Francis Ruyter (Malerei).
Mit dem von ihm initiierten Format „Böse Räuber*innen“ bespielt Paulus leerstehende Räume in Salzburg mit künstlerischen Interventionen. Ziel ist es, Künstler*innen eine Plattform zu bieten und zugleich zu zeigen, wie Leerstand kreativ und sinnvoll genutzt werden kann.
Als Musiker ist Paulus Teil der Band „The Velvet Swing“, die sich stilistisch zwischen Psychedelic, Garage und Surf Rock bewegt. Die Band wurde 2025 mit dem Heimo-Erbse-Preis für Rock- und Popmusik aus Salzburg ausgezeichnet.