Sabine Viertler

Nikolaus Kopernikus (1473-1543) hat unsere nächste himmlische Umgebung als ein System von Planeten erkannt, die um die Sonne kreisen. Jenseits dieser Planeten hat er den Fixsternhimmel als festes Gewölbe bestehen lassen. Giordano Bruno (1548-1600) jedoch treibt den Gedanken weiter. In dichterischer Schau sieht er das Universum als eine unermessliche Unendlichkeit, erfüllt von zahllosen Sternen, Weltsystemen, ohne Grenzen und ohne Mittelpunkt, in beständiger Bewegung.

Sabina Viertler, Absolventin der Akademie der Bildenden Künste in Wien, setzte sich im Rahmen des Projekts Artists in Residence 2005 intensiv mit Leben und Werk des Philosophen Giordano Bruno auseinander. 


Was ist das erste, das zweite? Wo finde ich den Anfang, wo das Ende? Die Frage nach Einheit und Vielheit und die Frage nach Harmonie sind Fragen, die sich in den damals entstandenen Arbeiten von Sabina Viertler wiederfinden. Insbesondere die „Zirkelkonstruktionen“, die sich in Brunos Werken finden, wurden von ihr zerlegt und neu zusammengesetzt. Ausgehend von der Kreisform schafft sie so ihre ganz eigenen Formationen, die sie mithilfe des Materials Glas und durch eine intensive Farbigkeit eindrucksvoll ins Bild setzt. Gerade der farbige Hintergrund bewirkt unaufdringliche, aber doch lebhafte Reflexionen und Spiegelungen, die jede Betrachterin zu einem Teil des Kunstwerks werden lässt und nicht greifbare Betrachtungsebenen einführt. 

  


„In jedem Menschen, in jedem Individuum betrachtet sich eine Welt, ein Universum. Gott steht nicht über und außer der Welt, er ist in der Welt und wirkt als beseelendes Prinzip in ihrem Ganzen wie in jedem ihrer Teile.“

Giordano Brunos Gedanken fordern unsere Weltsicht heraus. Sabina Viertlers künstlerische Arbeit unterstützt uns, dieser Gedankenwelt ein Stück näher zu kommen und die damit verbundenen Herausforderungen anzunehmen. 

Günther Jäger (Mitglied des Kunstbeirates von St. Virgil)