Monika Bartholomé

Monika Bartholomé, o.T., Pinselzeichnung, 32x24 cm, 2011, VG Bildkunst Bonn

Zwischen den Zeilen

Ich stelle mir vor, wie viele Gottesdienstbesucher zum neuen "Gotteslob" – dem katholischen Gebet- und Gesangbuch – greifen und die Zeichnungen von Monika Bartholomé zunächst mit Ratlosigkeit und Unverständnis betrachten. Denn in ihnen wird nichts auf eine bereits bekannte Weise illustriert oder bebildert, werden keine tradierten Symbole christlicher Ikonografie in eine neue, aber erkennbare und eindeutige Form gegossen, die wir mit Worten beschreiben, und daher wörtlich nehmen könnten.

Diese Zeichnungen gehören nicht zur Welt der Worte, vielmehr beanspruchen sie als
Kunstwerke eine ihnen eigene Möglichkeit der Erkenntnis jenseits der Worte. Mit ihrem Ausdruck innerer Sammlung, Achtung und Sorgfalt bereiten diese Zeichnungen der etymologischen Herkunft des Begriffes Religion, von lateinisch "religio" = einen Weg finden, eine der "Heiligkeit", dem "Bedenken" und der "Gewissenhaftigkeit" entsprechende Ästhetik.

Ihre Zeichnungen sind Zeichen, die nicht Gefahr laufen, zu leblosen Chiffren einer nicht länger verstandenen Symbolik zu werden, denn ihre "Lesbarkeit" erfordert den Einsatz des ganzen Menschen.

aus: Stefan Kraus, Man sieht mehr als man weiß, Anmerkungen zu den Zeichnungen von Monika Bartholomé in der Neuausgabe des katholischen Gebet- und Gesangbuchs
in: Katalog zur Ausstellung „Die Fülle des Lebens“, Franz Hitze Haus, Münster, 2013, Hrsg. Dr. Thomas Sternberg


Monika Bartholomé
geb. 1950, lebt in Köln
Studium an der FH Köln, HFBK Braunnschweig und der Kunstakademie Düsseldorf,
Lehrerin der Alexandertechnik
Bevorzugtes Medium: Zeichnung


Preise und Stipendien u.a.: Kunstfonds Arbeitsstipendium, Anna und Joseph Fassbender Preis


Austellungen u.a.: Galerie Ute Parduhn Düsseldorf, Museum Kunstpalast Düsseldorf, Kunsthalle Bremen, Dan Devening Chicago, Kolumba Köln
www.monika-bartholome.de


<< zurück