Gerlinde Miesenböck

Gerlinde Miesenböck, „o.T.“, 2004, Fotografie, 40X60 cm

Geboren 1978 in Freistadt, Studium an der Universität für Gestaltung in Linz (Schwerpunkt Grafik-Design und Fotografie) und an der Manchester Metroplitan University.

Zahlreiche Preise unter anderem 2006:
Henkel Nachwuchspreis und ECB Annual Photography Award.


Land_Sterben
"In Folge der ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen sahen und sehen sich viele Landwirte gezwungen, ihren Beruf aufzugeben. Das bäuerliche Leben prägt(e) die ländliche Kultur. Die Höfe haben oft eine jahrhundertealte Geschichte. Hier wurden nicht nur Grundstücke, sondern auch Traditionen weitergegeben. Doch ist unsere Vorstellung der Kultur am Lande eine romantisierte. Nicht nur Heimatfilme oder die Tourismuswerbung verschleiern das harte Leben der Betroffenen. Diese geben auch ihre Situation nicht immer gerne zu. Es entsteht ein Zwischenstadium, in dem die Menschen mit einem Fuß in der Tradition stehen, mit dem andern im modernen Leben, in dem verzweifelt versucht wird, etwas Vergangenes festzuhalten, oder sich neu zu orientieren.

Das künstlerische Projekt wurde im Jänner 2004 begonnen und ist in erster Linie ein Fotoprojekt, das von Videos begleitet wird. Gezeigt wird ein leerer Bauernhof und die Menschen, die darin wohnen. Es handelt sich dabei um meine unmittelbare Verwandtschaft im österreichischen Grenzgebiet zu Tschechien. Sie sind Stellvertreter für viele, weshalb sie meist gesichtslos und/oder beschnitten fotografiert werden. Auch mein eigenes Verhältnis zu meinen bäuerlichen Wurzeln wird thematisiert.

Ich möchte damit das so genannte "Bauernsterben" thematisieren, dass bei Lebensmittelpreisdiskussionen, die meist die Überlebensgrundlage betrifft, meist außer acht gelassen wird, ebenso in der Arbeitsmarktdiskussion."

So schreibt Gerlinde Miesenböck, die mit Fotos aus der Serie Land_Sterben im Kunstraum St. Virgil vertreten ist. Frau Miesenböck schafft mit ihren Fotos einen Einblick in eine soziale und gesellschaftliche Wirklichkeit, welche nicht nur das Land betrifft, sondern grundsätzlich Menschliches. Die formale Qualität der Bilder vergegenwärtigt im Abbild des Äusseren ein Inneres und gleichzeitig Strukturelles. Innehalten, Fragen und Diskussionsanregung wird mit dieser Ausstellung geboten.

Gerlinde Miesenböck fügt mit ihren Fotografien den vielen Bildern von Menschen und Menschheit und ihren Lebensräumen einige hinzu. Es ist für uns noch nicht alles gesagt und sichtbar gemacht. Gerlinde Miesenböck macht uns viel sichtbar, damit wir mit offenen Augen weitergehen.

Das Projekt „Land_Sterben“ wurde durch das Magret Bilger Stipendium des Landes Oberösterreich, das Frau Gerlinde Miesenböck zuerkannt wurde, ermöglicht.


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