Brigitte Kowanz

Brigitte Kowanz, Matter of Reflection II, 2018, Fine Art Print on aluminium, 42 x 59 x 3 cm, © Brigitte Kowanz - Bildrecht, Wien 2019.

Brigitte Kowanz © Alfred Weidinger

24.06. bis 23.10.2020
Die Bildhauerin als Zeichnerin

                            

Kunstgespräch
Do. 08.10.2020, 19.00 Uhr

Margit Zuckriegl und Hubert Nitsch    
im Gespräch mit der Künstlerin                               



Jede künstlerische Idee von Brigitte Kowanz beginnt mit der Zeichnung.  

Die Ausstellung umfasst drei Werkgruppen, die sich alle auf unterschiedliche Weise mit Transformationen von analog zu digital und von digital zu analog auseinandersetzen. Dies ist ein permanenter Prozess und eine essenzielle Struktur ihrer Arbeit, die sich hier im Medium der Zeichnung manifestiert.  

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Kowanz‘ Arbeit ist seit den frühen 1990er Jahren die Auseinandersetzung mit dem Morsecode. Der Morsecode gilt als erster binärer Code und kann insofern als Grundlage der Informationsübertragung via Lichtgeschwindigkeit gesehen werden. Er beruht auf den elementaren Grundformen – wie Punkt und Strich, kurz und lang, ein und aus.  

Das hier ausgestellte Morsealphabet setzt sich aus 26 Zeichnungen auf Karton zusammen, die in unterschiedlichen Techniken (Graphit, Tusche, Marker, Tinte und Acryl) ausgeführt sind. 

Ein anderer Werkblock beruht auf der Digitalisierung der analogen Handschrift, die digital weiterbearbeitet zu räumlichen Linienkonstrukten führt. Grundlage dieser Werkgruppe ist Kowanz‘ Handschrift. Texte, z.B.  „Matter of Reflection“, werden digitalisiert und mit Programmen verräumlicht. Aus der zweidimensionalen, analogen Zeichnung wird ein mehrdimensionaler, virtueller Raum mit Tiefe und unterschiedlichen Abstufungen.  

Auch der dritte Block basiert auf Brigitte Kowanz‘ Fragestellungen an das Medium Zeichnung. Was ist Zeichnung? Was ist die Konvention der Zeichnung? Was ist der Rahmen der Zeichnung? Welche Rolle spielt das Passepartout?  

Aufbauend auf diesen für sie wichtigen Fragestellungen hat Brigitte Kowanz aus Passepartout-Kartons eigenständige Arbeiten gemacht. Sie basieren auf im Kreis geschriebener Schrift. Es geht um Linie, um Kalligraphie und Rhythmus. Positive und negative Bubbles entstehen, Flecken an der Wand, die fixierbildhaft mal in den Vordergrund und mal in den Hintergrund treten.    


Brigitte Kowanz ist eine österreichische Künstlerin. Kowanz studierte von 1975 bis 1980 an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seit 1997 ist sie dort Professorin für Transmediale Kunst. Kowanz lebt und arbeitet in Wien. Internationale Ausstellungstätigkeit, u.a. 2017 bei der Biennale in Venedig; permanente Installationen, u.a. 2010/11 Staatsbrücke Salzburg; Preise, u.a. 1989 Otto Mauer Preis. www.kowanz.com