Artists in Residence 2016

Chasse Muséale, 2016

Straws, Pigment-Print, 2016

Julia Rohn

„Die Kulisse des Alltags [ist] aufwendiger ausgestattet denn je; sie ist vollgestellt mit Konsumprodukten jeglicher Art, die ihrerseits Triebe und Affekte sublimiert in Szene setzen [...]“ (Wolfgang Ulrich 2013) 


Julia Rohn vereint in ihrer Ausstellung die Medien Fotografie, Video, Zeichnung und Objekt. In ihrem vielschichtigen Werk hat sich ein thematischer Schwerpunkt auf Konsumkultur herausgebildet. Die Welt der Dinge nimmt in unserer heutigen Zeit immer mehr Raum ein. Nicht nur tatsächliche Produkte, aber auch Werbedarstellungen prägen unsere visuelle Wahrnehmung und unser Verhalten. Gestaltung und Marketing schichten sich immer mehr über den eigentlichen Gebrauchswert. Zahlreiche Produktvariationen in Formen und Farben zeugen von immer ausdifferenzierteren, dichter werdenden Materiallandschaften. Emotionsmuster und Klischees werden wiederholt und verfestigt. 

Mit dieser Ikonologie des Konsums setzt sich Julia Rohn auseinander, wenn sie sich mitunter an der Grenze zwischen Werbe- und konzeptueller Fotografie bewegt. Konsumobjekte werden dabei disloziert und abstrahiert, indem sie beispielsweise zu formalen Farb- und Formstudien werden, die in einem ironischen Moment abstrakte Malerei zitieren. 
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung findet sich in einer Parallelisierung von Jagd- und Konsumkultur. Auf die selbe Weise wie Tiere in einem Eroberungsakt erlegt und anschließend ästhetisierend über dem Kamin präsentiert werden, ist auch der Erwerb von Waren von Sensationslust, der Projektion von Fantasien und der Aneignung von Statussymbolen getrieben. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verfließen dabei zusehends. In einem verlieblichenden Akt ist so in den letzten Jahren ein regelrechter Trophäentrend entstanden, der sich unter anderem im pinken Deko-Geweih aus dem nächsten Einrichtungshaus spiegelt. In Rohns Arbeiten werden diese Tendenzen aufgegriffen und miteinander konfrontiert, wenn etwa ein Klopapier mit Zebramuster auf einem Trophäenschild prangt. 

Julia Rohn, geb. 1990, ist bildende Künstlerin. Im Frühjahr 2016 war sie für drei Monate Artist-in-Residence in der Cité des Arts in Paris. Julia Rohn stellte bereits national und international aus. Im Juli 2015 schloss sie das Diplomstudium der Fotografie an der Universität für angewandte Kunst Wien und den Bachelor Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien ab. Im selben Jahr erhielt sie den Publikumspreis des Ö1-Talentestipendiums für Bildende Kunst.

www.juliarohn.net


Roots (Beyond recallI), Herbarium, 14-teilige Serie

Beyond recall III, Pigmentprint, 5-teilige Serie

Annelies Senfter

I was also caught by absence in all its forms. (Paul Eluard) 

Annelies Senfters neue Werkserie Beyond recall I-III (2014/2016) beschäftigt sich mit dem Verlust von Leben, Geschichte, Kultur im Zusammenhang mit dem Holocaust. Teil I und II bilden ein Herbarium aus den Parks und Gärten von enteignetem Besitz, erweitert durch eine Sammlung tagebuchartiger Texte.

Teil III sind Fotografien der Künstlerin, die fiktiv Erinnerungsbilder ehemaliger Besitzer an ihre Anwesen und Häuser rekonstruieren. Die Arbeit entstand zum Großteil während des Aufenthaltes in St. Virgil und wird die Künstlerin weiter beschäftigen.

Auch im zweiten Teil der Ausstellung, verbindet Annelies Senfter innere Bilder mit der Realität. 18 Mal betätigt die Künstlerin den Auslöser ihrer Kamera in ihrer Tasche nach einem Sturz. Nur um zu sehen, was beschädigt ist. Aus vollkommen schwarzen Bildern werden Originale, die auf schwarzem Grund eine unterschiedliche Anzahl an weißen Punkten gleich einem Sternensystem offenbaren. In When I close my eyes in the darkness (2014/2015) entsteht eine Arbeit, die wieder auf andere Bilder verweist: Bilder, die gemacht werden hätten können oder eben auch Bilder, die über das vorhandene Resultat imaginiert werden. Annelies Senfter selbst meint: „Die Fotos erinnern mich an das, was ich sehe, wenn ich im Dunkeln die Augen schließe. Nachbilder, Phantome. Einen schwarzen, unendlichen Raum mit weißen Punkten, die sich zu bewegen beginnen, wenn ich versuche, sie zu fixieren.“ 

Annelies Senfter, geboren 1980 in Lienz, hat 2007 u.a. das Studium Grafik und Neue Medien an der Universität Mozarteum abgeschlossen und studierte von 2002–2004 Germanistik an der Paris Lodron Universität Salzburg. Sie war Stipendiatin des Virginia Center for the Creative Arts in den USA (2015), der Cité International des Arts in Paris (2012) und der Emanuel und Sophie Fohn-Stipendienstiftung (2015). Ihre Arbeiten wurden in Österreich und international ausgestellt und vom Land Salzburg (2012) wie vom Land Tirol (2015) angekauft. Sie lebt und arbeitet in Salzburg. 

www.anneliessenfter.at