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Virgiltag 2008: Hubert Gaisbauer zu Giacomo Manzù

Virgiltag 2008

Kardinal-König-Kunstpreis und St. Virgil
Veranstaltungsreihe "Kunst und Kirche"

Vortrag mit
Hubert Gaisbauer
Der religiöse Blick des Atheisten Giacomo Manzù

(Salzburg, 28. 11. 2008 - psvirgil/ms) - Traditionell fand gestern, am 27. November 2008, in St. Virgil Salzburg der Virgiltag statt. Der Todestag des Hausheiligen wird alljährlich zum Anlass genommen eine Veranstaltung im Spannungsfeld von Kunst und Kirche zu bieten, die Beitrag zu einem respektvollen Dialog zwischen KünstlerInnen und VertreterInnen der Kirche sein soll. Gemeinsam mit dem KKK Kardinal-König-Kunstfond lud St. Virgil den Autor und Publizisten Prof. Hubert Gaisbauer als Vortragenden zum Virgiltag ein. Gaisbauer referierte eindrucksvoll über ein Kernthema der Ausseinandersetzung von Kirche und Kunst, nämlich der Frage: Wie gläubig muss ein Künstler sein um ein Kunstwerk für die Kirche schaffen zu können? Am Ende des Vortrags illustrierte ein, von Gaisbauer geschaffener, Film über Manzù das brilliante Referat.

Kirche ohne Angst vor der Welt
Passend zur Figur des Heiligen Virgil, erläuterte Gaisbauer einerseits kirchengeschichtlich und andererseits mit dem Blick des Künstlers Manzù die Bedeutung der Haltung gegenüber Kunstschaffenden. Anhand des von Manzù geschaffenen Domtores von Salzburg und jener berühmten "Porta della morta" des Peterdomes in Rom deutete Gaisbauer die entscheidenen Schritte der Entscheidung zum II. Vatikanischen Konzil aus Sicht der Kunst und des Dialoges zwischen Künsterln und höchsten kirchlichen Würdenträgern neu.
Das kirchliche "Gegenüber" Manzùs war niemand anderer als der Konzilspapst Johannes der 23., über den ein Künstlerfreund sagte: "Dieser Mensch hat keine Angst vor der moderenen Welt". (siehe dazu Vortrag im Wortlaut)

Salzburg - die Generalprobe für Rom
Das Mitteltor des Salzburger Domes kann aus Sicht der Kunst durchaus als "Generalprobe" für das fünfte Tor des Peterdomes, die "porta della morta" (durch sie wurden tote Kardinäle in und aus dem Peterdom getragen) gesehen werden. Trotz zahlreicher Publikationen über die Arbeit am Eingangsportal des Domes konnte Gaisbauer an diesem Abend eine neue Sichtweise auf ein entscheidendes Detail des Salzburger Werkes aufzeigen. Manzù brachte auf der Innenseite des Tores einen "Türklopfer" an. Die Sinnhaftigkeit eines Türklopfers im Inneren eines Gebäudes deutet Gaisbauer im Kontext der Zeit. "Es war und ist für die Kirche notwendig von innen nach außen zu öffnen, aber auch einzulassen, wer immer klopfte. Es bedarf und bedurfte angstfreier Persönlichkeiten, wie den Konzilspapst, die Türen der "Festung Kirche" zu öffnen und an der "modernen Welt" draußen zu klopfen." Im "Tor der Liebe" Manzús ist diese empathisch, wertungsfreie Haltung gegenüber der "Welt draußen" wunderbar gezeigt.

Manzù - Atheist oder doch religiös
Der religiöse Blick Manzùs war immer ein Blick auf das Menschliche, auf Elend, Armut, Leid und Tod. Seine Auseinandersetzungen mit der  römischen Kurie einerseits und seine tiefe Freundschaft, mit Johannes Roncalli, die sich während der Entstehung des Portraits des Papstes, das Manzù schuf, entwicklete, waren prägend für seine Religiösität.

Virgiltag 2008: Hubert Gaisbauer zu Giacomo Manzù

St. Virgil