Symposium Jedes Kind zählt
MEDIENINFORMATION
Mit Prävention zum Erfolg in der Kinder- und Jugenhilfe
Voraussetzungen, Instrumente und richtungsweisende Modelle in St. Virgil Salzburg diskutiert
(Salzburg, 27. Okt. 08, psvirgil/ms) Das in der Fachwelt mit Spannung beobachtete internationale Symposium "Jedes Kind zählt" versammelte in Salzburg ExpertInnen aus D, CH und Ö kommend aus allen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe. Diskutiert wurden Möglichkeiten präventive Maßnahmen rechtzeichtig und zielsicher zu setzen, bevor Kinder oder Jugendliche an Leib und Seele Schaden nehmen. Eine Gesetzesnovelle des österreichischen Jugendwohlfahrtsgesetzes ist derzeit in Begutachtung. Eine neue Regierung wird über diese Gesetzesvorlage zu bestimmen haben. Insgesamt muss angesichts der Beispiele und Erfahrungen aus dem deutschen Sprachraum in Österreich noch vieles "auf den Weg gebracht werden".
Dormagen - eine andere Praxis von Hilfe auf kommunaler Ebene funktioniert
Eine deutsche Kleinstadt hat vorgemacht, wie ein strategisches Präventionsporgramm allen Kindern ein besseres Aufwachsen ermöglicht. Der Blick wurde nicht mehr auf die Fälle von Kindesmisshandlungen oder -vernachlässigungen gerichtet, sondern vielmehr auf ein kommunales Zusammenleben, das das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt stellt. So werden zum Beispiel ausnahmslos alle Familien bei der Geburt eines Kindes persönlich besucht, mit Information über Hilfen und Unterstützung versorgt und in den so wichtigen Jahren vor dem Kindergarteneintritt immer wieder über niedrigschwellige Netzwerke kontaktiert. "Der persönliche Kontakt ist das Entscheidende", so Uwe Sandvoss, Projektleiter des Dormagener Präventionsprogrammes. Nur so ist es möglich, dass Hilfe auch in den Familien ankommt, die sie brauchen. Von Leitbild und Babybegrüßungspaket bis zum umfassenden Design eines modernen Kinderschutzkonzeptes sind auch in Dormagen 10 Jahre vergangen. Trotzdem zeigt dieses Modell eines auf: Wenn der klare politische Wille da ist, dann geht es auch.
Netzwerke Früher Hilfen
Eindrucksvoll schilderten Verantwortliche, WissenschafterInnen, ProjetkleiterInnen aus drei Ländern die wesentlichen Voraussetzungen für gelingende Modelle. Neben der Beseitigung von Kinderarmut und Armut in Familien, sind das:
Niedrigschwellige Angebote sowohl inhaltlicher Art, als auch vom Zugang her (Reden ist Silber, real erleben ist Gold) Das Erleben muss dort stattfinden, wo Familien leben, ihre Sozialkontakte haben, ihre Kinder in Einrichtungen und Schulen gehen.
Hilfsangebote müssen personalisiert sein um anzukommen (Hebamme, SozialarbeiterInnen, FamilienhelferInnen usw.)
Hilfen dürfen keinen Stigmatisierungscharakter haben
Hilfen müssen Eltern befähigen ihre Aufgabe erfüllen zu können |
Breiter Konsens herrschte über die Art der besten Prävention. Es geht nicht darum viele neue Instrumente zu entwickeln. Die beste Prävention ist jene, die die konkreten Lebensbedingungen von Familien in materieller und immaterieller Hinsicht verbessert.
"Woran hingegen noch intensiv gearbeitet werden muss, ist die Vernetzung und die Zusammenarbeit der aktuellen Einrichtungen und Strukturen. Das ist für Österreich unser großes Anliegen, alle guten Ansätze zu bündeln und soziale Arbeit zu leisten, die die Familien auch erreicht" sagt Dir. Peter Braun von St. Virgil. Dafür braucht es eine neue Art der Zusammenarbeit von Ämtern, Einrichtungen und politisch Verantwortlichen, wie das Modell Dormagen zeigt.
Das Prinzip Hoffnung
Soziale Arbeit im besten Sinne ist dazu da, Hoffnung zu installieren und zwar in jeder Familie, sagt Dipl. Psych. Alexandra Sann vom Nationalen Zentrum für Frühe Hilfen in Deutschland. Ungeachtet ihres Bildungsniveaus, ungeachtet der Vorgeschichten (Straffälligkeit, Gewalt, Suchtprobleme oder psychiche Erkrankungen) sowie der wirtschaftlichen Situation sollen Eltern befähigt werden, gute Eltern zu sein.
Dr. Christian Pfeiffer, ehemaliger Justizminister in Niedersachsen und Initiator von "Pro Kind" beschreibt die Haltung der HelferInnen den Eltern gegenüber so: "Suche die Stärken dieser Frau, in dieser konkreten Familie und du wirst etwas finden." Als einen zweiten wesentlichen Schlüssel, speziell was Gewaltprävention betrifft, sieht Pfeiffer die Schule. "Es klingt zwar beruhigend, dass Kinder- und Jugendliche bei Notfallnummer anrufen können, aber sie tun es nicht. Einzig die Schule und das schulische Umfeld könnten Kinder und Jugendliche vor Straffälligkeit und Gewalt bewahren, so der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes in Niedersachsen.
Medien: Nutzen oder Fluch?
Ein Aspekt der Tagung war auch die Rolle der Medien im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Kinderschicksale. Christoph Feurstein, ORF Journalist aus Wien ermutigte in seiner Stellungnahme Verantwortliche in sozialen Einrichtungen den Kontakt mit dem ORF nicht möglichst zu vermeiden, sondern im Gegenteil gerade die Medien für ihre Anliegen zu nutzen. Dies gelte im Besonderen für den ORF als öffentlich rechtliche Anstalt.
Wie sieht eine kinderfreundliche Gesellschaft aus
Diese Frage wurde im Beitrag des Salzburger Soziologen, Theologen und Philosophen DDDr. Clemens Sedmak klar. "Eine kinderfreundliche Gesellschaft ist eine solche, in der Kinder nicht unter Druck gesetzt werden, jemand zu sein, der sie nicht sind. (also z. B. keine kleinen Erwachsenen, die möglichst funktionieren sollen) Kinder sind in ihrer Existenz zweckfrei. Und Kinder haben das Recht auf Erwachsene zu treffen, die auch erwachsen sind. Nur ein "reifer" Mensch hat echtes Interesse am Blühen und Gedeihen anderer Menschen, so der Philosoph. Für Sedmak bedingt Kinderfreundlichkeit auch, die Träume der eigenen Kindheit nicht vergessen zu haben.
Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der Veranstalter:
St. Virgil Salzburg: www.virgil.at und
Pro Juventute, Salzburg www.projuventute.at




