Kardinal-König-Kunstpreis 2011
Nominierte KünstlerInnen
| Veranstaltungsnr.: | 11-0698 |
| Beginn: | 28.11.11, 18:00 |
| Ende: | 29.11.11, 22:00 |
| ReferentInnen: | 09-1715 |
| Typ: | Ausstellung |
Kardinal-König-Kunstpreis 2011
Im Kunstraum St. Virgil werden die eingereichten Arbeiten der 24 KünstlerInnen, die von namhaften KunstexpertInnen für den Preis nominiert wurden, gezeigt. Die Ausstellung ermöglicht einen Einblick über wichtige Positionen der zeitgenössischen Kunst in Österreich und Südtirol.
Nominierte KünstlerInnen 2011
Anna Artaker, Catrin Bolt, Zoé Byland, Sevda Chkoutova, Judith Fegerl, Rainer Gamsjäger, Nilbar Güres, Clemens Hollerer, Karl Karner, Luisa Kasalicky, Leopold Kessler, Ulrike Königshofer, Daniel Leidenfrost, Sonia Leimer, Christian Mayer, Christoph Meier, Karin Peyker, Florian Pumhösl, Arnold Reinthaler, Lucie Stahl, Sofie Thorsen, Thimotheus Tomicek, Nadim Vardag, Anna Witt
Katalog zur Ausstellung
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Müry Salzmann Verlag, der die 24 Anwärter-Projekte auf den Kardinal-König-Kunstpreis 2011 vorstellt. Mit Texten von Peter Assmann, einem Essay von Hedwig Kainberger und einem Interview mit Marko Lulic
Bestellungen an:
E-Mail: office@muerysalzmann.at
Preisträger 2011
Christian Mayer
Was uns der Foto- und Installationskünstler Christian Mayer zeigt und was nicht, ist das Spannende an seinen Arbeiten.
Ausschlaggebend für die Prämierung ist sowohl die Stringenz der eingereichten Arbeit "In the instant of memory, everything was swirling and dissolving", einer Serie von 450 Polaroids aus dem Jahr 2009, als auch die Qualität und Konsequenz des bisherigen Gesamtwerks.
Zum eingereichten Werk:
In the instant of memory, everything was swirling and dissolving
In 10 Rahmen zeigt uns der Künstler eine umfangreiche Sammlung an Polaroids, von denen die meisten umgekehrt affichiert sind und uns nur ihre schwarze Rückseite zeigen. Auf den sichtbaren Bildern sehen wir tropische Landschaften, indigene Bewohner eines Urwalddorfes und europäisch aussehende Menschen, die in diesem Kontext offensichtlich als Besucher oder Eindringlinge auftauchen. Eine eindeutige Narration lässt sich aus den Bildern nicht erschließen. Und so stellt sich unmittelbar die Frage: Was sehen wir nicht? Der Zweifel, den die schwarzen Bilder hervorrufen, wirkt sich auch auf die sichtbaren Bilder aus und lässt uns daran zweifeln, was wir wirklich sehen. Was war die reale Situation, was genau zeigen uns diese Bilder? Die Dokumentation einer Expedition? Der Beweis eines Eindringens einer modernen Kultur in die letzten Rückzugsgebiete prämoderner Lebensformen?
Der Zweifel ist berechtigt, denn was die Bilder tatsächlich zeigen, ist eine Dokumentation der Dreharbeiten zu dem Film "The Mission" aus dem Jahr 1986, der die tatsächlich im 18. Jahrhundert stattgefundene gewaltsame Auflösung einer Mission des Jesuiten Ordens durch koloniale portugiesische Truppen und den dabei begangenen Genozid an dem Volk der Guarani thematisierte. Für den Film wurden die Bewohner eines kolumbianischen Dorfes, die dem Stamm der Waunana angehören, 1000 Kilometer an den Drehort umgesiedelt. Was wir also sehen sind Menschen, die eine historische Begebenheit darstellen, die 200 Jahre zuvor an einem völlig anderen Ort stattfand. Indem Christian Mayer uns aber nur die Bilder zugänglich macht, in denen die filmische Inszenierung unsichtbar bleibt, in der keine Kameras oder Mikrofone, keine historischen Kostüme oder berühmte Schauspieler zu erkennen sind, lässt er die Möglichkeit zunächst offen, dass die Bilder von einer aus der unmittelbaren Vergangenheit kommenden Realität zeugen könnten.
Die Frage danach, wer hier wen spielt, wo hier zwischen Fiktion und Realität noch zu trennen ist, und wer hier wen benutzt oder ausnutzt, verkompliziert sich noch mehr, wenn man erfährt, dass die Waunana ihre Teilnahme an den Dreharbeiten auch vor allem deshalb zusagten, um auf die eigene existenzielle Bedrohung ihrer dörflichen Strukturen durch kapitalistische Firmen aufmerksam zu machen, die ihr Land zu annektieren drohten. So bekommt diese Inszenierung eines vergangenen Konflikts auch den Charakter eines beispielhaften Kampfes in realen spätkapitalistischen Szenarien. Der Einbruch der Filmindustrie in diesen Kontext kann nur als großes Durcheinander bildpolitischer Zusammenhänge bezeichnet werden.
Die Authentizität und Unmittelbarkeit, die dem Medium Polaroid in besonderer Weise zugesprochen wird, lässt den fiktiven Charakter des filmischen Unterfangens hier noch verstärkt nach hinten treten und holt eine widersprüchliche Ebene an die Oberfläche, die dem Unterfangen einer inszenierten Bildproduktion von geschichtlichen Ereignissen inhärent ist. Wenn wir ein Geschehen bildhaft nachstellen, schaffen wir auch neue Realitäten, die wieder ihre eigenen Machträume aufbauen.
Christian Mayer, geboren 1976 in Sigmaringen, lebt in Wien. Kunststudium in Saarbrücken, Glasgow und Wien. Mitherausgeber einer Zeitschrift mit wechselndem Namen. Zahlreiche Ausstellungen, unter anderem: Galerie Christian Nagel, Berlin (solo); Galerie Mezzanin, Wien (solo); Austrian Cultural Forum, Warschau (solo); New Talents, Art Cologne (solo); Mumok, Wien; Manifesta 7, Rovereto; Centre d´Art Passerelle, Brest; Galerie Georg Kargl, Wien; Shedhalle Zürich; 26th Sao Paulo Biennale
Führung durch die Ausstellung:
Freitag, 13. Jänner 2012, 20.00 Uhr
Dr.in Margit Zuckriegl, Museum der Moderne, Salzburg, Jurymitglied des Kardinal-König-Kunstpreises
Führungen auch an anderen Terminen gegen Voranmeldung möglich.
Freier Eintritt!
Ausstellungsdauer:
29. November 2011 bis 11. Februar 2012
19.12. bis 29.12. 2011 und 5.1. bis 8.1. 2012 geschlossen
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag, 8.00 bis 20.00 Uhr
Sonntag, 8.00 bis 12.00 Uhr
Der besondere Dank gilt den Hauptsponsoren des Kardinal König Kunstfonds: Deutsche Bank Private Wealth Management, Würth


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